Seminarbericht: Ju-Jitsu Wettkampfsysteme mit Michel van Rijt

Duo 03

Über mehrere Wochen hinweg fand im Judo Club Basel eine Seminarreihe zu den Ju-Jitsu-Wettkampfsystemen statt. Die Trainings waren klar strukturiert und folgten einem festen Rhythmus: montags Fighting System, mittwochs Duo-System, samstags Ne-waza-Wettkampfsystem. Jede Einheit baute systematisch Wissen, Regelverständnis und technische Sicherheit auf.

Fighting System

Die drei Montage waren dem Fighting System gewidmet und orientierten sich konsequent an dessen drei Wettkampfphasen.

Am ersten Montag stand die Phase 1 – Stand im Fokus. Neben einer Einführung in die spezifischen Regeln dieser Phase wurden typische Angriffsmuster analysiert und passende Reaktionen erarbeitet. Gegen Ende der Einheit floss das Gelernte in kontrolliertes Sparring ein, um Distanz, Timing und Regelkonformität unter Bewegung zu erfahren.

Der zweite Montag behandelte die Phase 2 – Übergang zum Boden, oft der entscheidende Moment im Fighting-Wettkampf. Hier lag der Schwerpunkt auf sauberen Übergängen aus Schlag- und Griffsituationen in Würfe oder direkte Bodenlagen. Ein prägnantes Beispiel war ein Übergang aus einem gegnerischen Haken: Abwehr mit Uchi-Uke, sofortiges Unterfassen des Arms und anschliessend ein fliessender Ippon-Seoi-Nage aus einer schwingenden Drehbewegung. Solche Sequenzen verdeutlichten, wie aus Verteidigung unmittelbar Initiative entstehen kann.

Am dritten Montag folgte Phase 3 – Boden. Positionsarbeit, Kontrolle und regelkonforme Abschlüsse standen im Zentrum. Die Bodenphase wurde nicht isoliert betrachtet, sondern stets als logische Fortsetzung der vorangehenden Phasen verstanden.

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  • Fighting 3 03
  • Fighting 1 01
  • Fighting 3 02
  • Fighting 3 01

Duo-System

Die Mittwoche waren dem Duo-System gewidmet. Zu Beginn stand eine grundlegende Einführung: Aufbau des Systems, Zielsetzung und Bewertungskriterien. Anschliessend wurden die zentralen Wettkampfbegriffe erläutert. Angriffe wie A1 oder A2 wurden als klar definierte Angriffstypen eingeführt, die jeweils mit einem sichtbaren Pre-Angriff beginnen müssen.

In den folgenden Einheiten wurden die B-Serie und C-Serie erarbeitet. In kleinen Gruppen entstanden dazu eigene Verteidigungssequenzen, die anschliessend präzisiert und wiederholt wurden. Der Fokus lag auf Klarheit, Kontrolle und Verständlichkeit der Technik – nicht auf Geschwindigkeit.

Den Abschluss bildete eine wettkampfähnliche Situation: Mehrere Gruppen aus dem Judo Club Basel traten gegeneinander an, vergleichbar mit einem Duo-System-Wettkampf. Diese kleine interne Meisterschaft machte Bewertung, Nervosität und Rhythmus unmittelbar erlebbar.

  • Duo 01
  • Duo 04
  • Duo 03
  • Duo 02

Ne-waza

Die Samstage waren dem Ne-waza-Wettkampfsystem gewidmet. Auffällig war die Durchmischung der Teilnehmenden: Neben Ju-Jitsu-Kämpfern waren auch Judoka und BJJ-Athleten anwesend. Dadurch entstand ein fruchtbarer Vergleich der Regelwerke.

Judoka erhielten erstmals einen direkten Einblick, wie sich Bodenkampf im Ju-Jitsu-System anfühlt. Umgekehrt lernten Ju-Jitsu-Kämpfer zahlreiche Hebel- und Würgetechniken kennen, die im Judo nicht oder nur eingeschränkt erlaubt sind – darunter auch gestreckte Beinhebel. Ergänzt wurde das Techniktraining durch eine klare Gegenüberstellung der Unterschiede zwischen Judo- und Ju-Jitsu-Regeln, was das taktische Verständnis deutlich vertiefte.

  • Ne waza 05
  • Ne waza 04
  • Ne waza 03
  • Ne waza 02
  • Ne waza 01

Ein besonderer Dank gilt Michel van Rijt, der diese Seminarreihe mit grosser Klarheit, Ruhe und fachlicher Tiefe geleitet hat. Die Offenheit, mit der Wissen geteilt wurde, sowie der hohe Anspruch an saubere Technik und echtes Verständnis ermöglichten allen Teilnehmenden, weit über das Übliche hinaus zu lernen.